Wenn die Wolken weg sind, lichtet sich der Blick
Wenn die Wolken weg sind, lichtet sich der Blick

Grundwissen Lyrik - was man zum Thema "Gedichte" wissen sollte

Bereich: Lyrik:

 

Das hier ist eine vorläufige Übersicht, die wir im Laufe der Zeit optimieren werden. Wir wissen halt: Nur eine schnelle Hilfe ist eine gute Hilfe ;-)

 

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Wie nennt man bei Gedichten ein Versmaß, bei dem auf eine unbetonte Silbe immer eine betonte folgt? („Wer recht in Freuden wandern will...“)

 

Jambus

Bei Gedichten muss man einfach immer erst mal feststellen, ob es eine regelmäßige Abfolge von betonten und unbetonten Silben gibt. Wenn immer eine betonte auf eine unbetonte Silbe folgt, spricht man von einem Jambus.

 

Wie nennt man bei Gedichten ein Versmaß, bei dem auf eine betonte Silbe immer eine unbetonte folgt? („Freude, schöner Götterfunken“)

Trochäus

Bei Gedichten muss man einfach immer erst mal feststellen, ob es eine regelmäßige Abfolge von betonten und unbetonten Silben gibt.

Wenn ein Silbenpaar immer mit einer betonten Silbe beginnt, spricht man von einem Trochäus.

 

Wie nennt man die regelmäßige Abfolge von Hebungen und Senkungen (betonten und unbetonten Silben) in einer Verszeile?

Alternieren

Wenn sich Silben in einem Gedicht betonungsmäßig immer abwechseln, spricht man von "Alternieren" (lateinisch: alter = der zweite). Dann kann es sich nur noch um einen Jambus oder einen Trochäus handeln.

 

Wie nennt man bei Gedichten ein Versmaß, bei dem auf eine betonte Silbe immer zwei unbetonte folgen? („Wiegende Wellen auf wogender See“)

Daktylus

Wenn ein regelmäßiges Versmaß vorliegt, aber kein Alternieren (also regelmäßiger Wechsel von betonter und unbetonter Silbe), dann handelt es sich in der Regel um einen Daktylus oder einen Anapäst. Beim Daktylus sind die Betonungen wie bei diesem Wort selbst, zuerst kommt eine betonte, dann kommen zwei unbetonte Silben.

 

Wie nennt man bei Gedichten ein Versmaß, bei dem auf zwei unbetonte Silbe immer eine betonte folgt? („Heute ich, morgen du“)

Anapäst

Wenn ein regelmäßiges Versmaß vorliegt, aber kein Alternieren (also regelmäßiger Wechsel von betonter und unbetonter Silbe), dann handelt es sich in der Regel um einen Daktylus oder einen Anapäst. Beim Anapäst sind die Betonungen wie bei diesem Wort selbst, zuerst kommen zwei unbetonte Silben, dann kommt die betonte Silbe.

 

Wie nennt man den Gleichklang von Wörtern ab der letzten betonten Silbe?

Reim

Normalerweise denken wir bei Reim an einen Endreim - etwa einen Paarreim, einen Kreuzreim oder einen umschließenden Reim (siehe die entsprechenden Fragen) - es gibt aber auch Binnenreim:

  • Eine starke, schwarze Barke
  • Segelt trauervoll dahin. (Heine)

Daneben gibt es auch noch Schüttelreime, die die Reimstruktur im hinteren Ende der Zeile stark ausdehnen: "Und Schreck befiel die Klapperschlangen, als ihre Klappern schlapper klangen."

Früher wurde auch die Alliteration, also der Gleichklang des Anlauts, unter die Reime gezählt - und zwar als "Stabreim".

 

Wie nennt man eine Reimform, bei der sich immer zwei aufeinander folgende Verszeilen reimen?

Paarreim

Folgendes Beispiel für Paarreime fand sich zum Beispiel einmal in der Herbstausgabe einer Zeitung:

Wenn der Nebel niedersinkt,

wenn es aus dem Schornstein stinkt,

wird es kalt in Ost und West.

Jetzt mach Dein Auto winterfest!

 

Wie nennt man eine Reimform, bei der sich die erste und die dritte sowie die zweite und vierte Verszeile reimen?

Kreuzreim

Ein Beispiel für einen Kreuzreim stellt der Anfang eines Gedichts von Eichendorff dar:

Das Reich des Glaubens ist geendet,

Zerstört die alte Herrlichkeit,

Die Schönheit weinend abgewendet,

So gnadenlos ist unsre Zeit.

 

Wie nennt man eine Reimform, bei der sich die erste und die vierte sowie die zweite und dritte Verszeile reimen?

Umschließender Reim

Der umschließende Reim kommt seltener vor, er findet sich aber zum Beispiel in den beiden Quartetten des streng gebauten Sonetts:

Am jüngsten Tag, wenn die Posaunen schallen,

Und alles aus ist mit dem Erdenleben

Sind wir verpflichtet, Rechenschaft zu geben

Von jedem Wort, das unnütz uns entfallen.

(Goethe, Warnung)

 

Wie nennt man den wiederkehrenden Schlussteil von Strophen, auch „Kehrreim“ genannt?

Refrain

Typisch ist der Refrain für Lieder, dabei kann er durchaus abgewandelt werden:

Kurt Tucholsky, Augen in der Großstadt

 

Refrain, Variante 1:

Zwei fremde Augen, ein kurzer Blick,

die Braue, Pupillen, die Lider ‑

Was war das? vielleicht dein Lebensglück ...

vorbei, verweht, nie wieder.

 

Refrain, Variante 2:

Zwei fremde Augen, ein kurzer Blick,

die Braue, Pupillen, die Lider.

Was war das? kein Mensch dreht die Zeit zurück, vorbei, verweht, nie wieder.

Wie nennt man es, wenn ein Satz in einem Gedicht über eine Verszeile hinausgeht?

Zeilensprung

Auch Enjambement genannt, führt zu ganz eigenen Effekten in einem Gedicht, das ja eigentlich auf die Endlichkeit von Verszeilen ausgerichtet ist:

 

Ulla Hahn, Ab Gesang

 

ich halt dich nicht mehr

aus hau ab ins Grab

gewiß werd ich dir folgen

nie und nimmermehr

schick ich dem Ach ein

Weh noch hinterher

 

Wie nennt man es, wenn ein Satz in einem Gedicht sogar über einen Strophenwechsel hinausgeht?

Strophensprung

Wenn Zeilensprünge gar über das Strophenende hinausgehen, führt das zu einer besonderen Verschleifung, die in der Regel immer eine besondere Aussage trägt. Kommt eher selten vor.

 

Beispiel: Rilke, Der Tod der Geliebten

Er wusste nur vom Tod was alle wissen:

dass er uns nimmt und in das Stumme stößt.

Als aber sie, nicht von ihm fortgerissen,

nein, leis aus seinen Augen ausgelöst,

 

hinüberglitt zu unbekannten Schatten,

und als er fühlte, dass sie drüben nun

wie einen Mond ihr Mädchenlächeln hatten

und ihre Weise wohlzutun:

 

da wurden ihm die Toten so bekannt,

als wäre er durch sie mit einem jeden

ganz nah verwandt; er ließ die andern reden

 

und glaubte nicht und nannte jenes Land

das gutgelegene, das immersüße -

Und tastete es ab für ihre Füße.

 

Wie nennt man eine besonders kunstvoll aufgebaute Gedichtform, die aus 14 Verszeilen besteht?

Sonett

Ein Sonett besteht in der Regel aus zwei Quartetten (vierzeiligen Strophen) und zwei Terzetten (dreizeiligen Strophen) - das Reimschema kann dabei auf komplizierte Art und Weise variieren.

Wird die Form auf traditionelle Art und Weise ganz streng gewählt, dann stellen die beiden Quartette  antithetisch (in Gegensätzen) das Thema, das Problem vor, während die Terzette nach einer "Lösung" suchen..

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