Wenn die Wolken weg sind, lichtet sich der Blick
Wenn die Wolken weg sind, lichtet sich der Blick

Was hat ein "Aphorismus", also eine geistreich formulierte Einsicht, mit einer Hebamme zu tun?

Wir zeigen hier, was ein Aphorismus (also eine originell formulierte Einsicht) mit einer Hebamme zu tun hat. Es gibt nämlich eine große und wichtige Gemeinsamkeit.

Aphorismus – ein Satz, der wie ein Instrument aus der Hebammentasche funktioniert
 

  1. Viele werden den folgenden Satz kennen oder zumindest ihm zustimmen:
    „Der Klügere gibt nach! Eine traurige Wahrheit, sie begründet die Weltherrschaft der Dummheit.“

    Er stammt von der Dichterin Marie von Ebner-Eschenbach und macht zugespitzt deutlich, dass es nicht immer klug ist, wenn man nachgibt.

    Ein Beispiel wäre etwa: Man hat ein schönes und sehr praktisches Auto und verleiht es an einen Freund, der es dringend braucht. Als eine Woche später der nächste Freund danach fragt, fühlt man sich schon nicht mehr so wohl bei dem Gedanken. Denn man braucht es ja auch selbst. Wenn dann immer mehr diesen bequemen Weg gehen, kostenlos an einen Mietwagen zu kommen, ist man nur noch scheinbar klug. Man vermeidet zwar Ärger und erntet dankbare Blicke – aber man selbst kauft sich heimlich einen Zweitwagen oder fährt nur noch Bus und Bahn.

    Es gibt auch sehr viel ernstere Beispiele: Als Hitler mit seiner aggressiven Außenpolitik begann, gaben Frankreich und England bei den ersten Aktionen nach und retteten damit nach ihrer Meinung den Frieden. Am Ende nahm sich Hitler nicht durch deutschsprachige Länder, sondern machte sich auch die Tschechen untertan. So bekam man am Ende doch den Krieg, um noch Schlimmeres zu verhüten. Jetzt sagen zwar manche Leute, dass die Engländer schließlich die Zeit zumindest für eine bessere Vorbereitung auf einen Krieg genutzt haben. Aber das ändert nichts daran, dass einfaches Nachgeben auf jeden Fall kein Zeichen von Klugheit gewesen wäre.

     
  2. Was hat das nun mit einer Hebamme zu tun? Deren Aufgabe ist es, Kinder zur Welt zu bringen beziehungsweise dabei behilflich zu sein. Genau dasselbe tut auch der Aphorismus, Erbringt Eine Einsicht Bei einem anderen Menschen zur Welt. Wie bei einer schwangeren Frau bedeutet das manchmal auch einen schmerzhaften Prozess. Man fragt sich, warum man nicht selbst auf diese Einsicht gekommen ist und sich möglicherweise in manchen Situationen klüger verhalten hat.
     
  3. Wir sind übrigens auf die Erklärung mit der Hebamme gekommen, weil wir von dem griechischen Philosophen Sokrates eine Methode kannten, die man als „Hebammenkunst“ bezeichnet.

    Das Fachwort ist dafür „Mäeutik“ und es wird in Wikipedia so erklärt:
    Sokrates, dessen Mutter eine maia (Hebamme) war, soll seine Gesprächstechnik mit der Geburtshilfe verglichen haben. Gemeint ist, dass man einer Person zu einer Erkenntnis verhilft, indem man sie durch geeignete Fragen dazu veranlasst, den betreffenden Sachverhalt selbst herauszufinden. So wird die Einsicht mit Hilfe der Hebamme – des Lernhelfers – geboren, der Lernende ist in diesem Bild der Gebärende. Den Gegensatz dazu bildet Unterricht, in dem der Lehrer den Schülern den Stoff dozierend mitteilt.
    https://de.wikipedia.org/wiki/M%C3%A4eutik
     
  4. Übrigens gibt es eine Gemeinsamkeit zwischen dem Aphorismus und der Parabel: Bei der handelt es sich um eine Gleichnisgeschichte, die die Wahrheit nur eben erst mal in einem ausgedachten Beispiel versteckt. Damit soll die Einsicht beim Zuhörer gefördert werden. Er erkennt erst die Wahrheit und merkt dann erst, dass sie eine möglicherweise falsche Einstellung bei ihm selbst betrifft.

    Das Gemeinsame ist die besondere Art, jemandem etwas klarzumachen. Der Unterschied liegt im Grad der Direktheit bzw. der Offenheit.

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