Wenn die Wolken weg sind, lichtet sich der Blick
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Max Frisch, „Andorra“ - Charakterisierung der Figur des Soldaten Peider

Vorbemerkung zur Besonderheit dieses Beispiels für eine Charakterisierung
Präsentiert wird hier eine überarbeitete Schülerlösung der Charakterisierung zweier Figuren in Frischs Theaterstück "Andorra". Es geht also darum zu zeigen, was im Normalbetrieb einer Hausaufgabe oder einer Klassenarbeit bzw. Klausur möglich ist. Das hilft im Normalfall Schülern erst mal mehr als eine professionelle Lösung.

Ungegliederte Lösung mit Aufgaben zur Überarbeitung

  1. Der Soldat Peider ist feige. Diese Feigheit steht im Gegensatz zu seinem eigenem Selbstbild. Peider behauptet nämlich von sich selbst, dass er äußerst mutig sei. Wie es aber wirklich damit aussieht, zeigt sich besonders im 6. Bild: „Andri schnarcht. Der Soldat erschrickt und zögert.“ ( Seite 49) Man sieht an diesem Zitat, dass der Soldat selbst vor dem schlafenden Andri noch Angst hat, was ihn aber nicht daran hindert, ihn mehrmals im Drama als „Hosenscheißer“ zu bezeichnen. Man hat als Leser bzw. Zuschauer den Eindruck, Peider projiziert seine eigenen negativen Eigenschaften auf Andri.
     
  2. Der Soldat empfindet Andri gegenüber eine tiefe Abneigung, ja man kann sogar von tiefem Hass reden. Diesen Hass weist der Soldat auch noch in der Vordergrundszene auf - als einziger Andorraner . „Ich hab ihn nicht leiden können von Anfang an.“ (Seite 55)
     
  3. Der Soldat versucht immer wieder Andri zu provozieren, ihn herauszufordern. Man sieht dies gleich schon im ersten Bild, als Andri sich mit dem Soldaten über Barblin unterhält. Der Soldat zieht ziemlich pervers über seine Vorhaben gegenüber Barblin her. „ und auf den Bock und ab den Rock“ ( Seite 20). Dazu kommt schon von Anfang ein Hang auch zu Gewalttätigkeit, so schlägt er etwa Andri das von ihm verdiente Geld aus der Hand und stellt ihm ein Bein, so dass Andri zu Boden stürzt. Aber dieser Szene geht noch die erste Begegnung mit dem Soldaten voran, in der Peider sich ziemlich primitiv an Barblin heranmacht. Er schaut ihr immer auf die Beine und sagt ihr, dass er bisher immer alle Mädchen bekommen habe. „Wo hast du deine Kammer?“ (Seite 11).  Direkter und dümmer können Annäherungsversuche wohl kaum noch sein.
     
  4. Peiders Abneigung gegenüber Andri nimmt im Laufe des Handlungsverlaufes immer brutalere Formen an. Im achten Bild wird Andri sogar von dem Soldaten niedergeschlagen und anschließend mit Fußtritten schwer verletzt.
     
  5. Im sechsten Bild vergewaltigt der Soldat Barblin, dadurch ist Andri der letzte Halt genommen und, obwohl der Soldat es besser weiß, wertet er Barblin bei der Judenschau als Judenhure ab und verleugnet sie, indem er vorgibt, nie etwas mit ihr gehabt zu haben. Dabei hat er doch Andri zuvor in Barblins Kammer festgenommen, die nur er, Andri und Barblin kennen. Woher weiß er von dieser Kammer, wenn er sich nicht schon vorher um sie gekümmert hat?
     
  6. Seine gegensätzlichen Behauptungen werden auch noch anderswo deutlich. Peider behauptet immer bis zum Einmarsch der Schwarzen in Andorra, „dass er kämpfen wolle bis zum letzen Mann“. Doch er ist schließlich der erste, der sich auf die Seite der Schwarzen gestellt hat. So hilft er den Schwarzen bei der Durchführung der Judenschau und bewirkt wohl sogar, dass Andri unter äußerster Gewaltanwendung der Ring abgenommen wird.
     
  7. Der Soldat spricht auch kaum von sich selbst, sondern vielmehr von der „Armee“, die hinter ihm steht und in deren Auftrag er handelt. Daran kann man feststellen, dass Peider nur seine Befehle ausführt ohne ein wenig nachzudenken. Er plappert einfach irgendwelche Parolen nach, zum Beispiel: Order ist Order.
     
  8. Insgesamt kann man sagen, dass der Soldat ein feiger, prahlerischer und brutaler Befehlsempfänger ist, der nicht selbst denkt und nur seinen Befehlen entsprechend handelt. Daneben kommt noch sexuelle Aggression gegenüber der Freundin Andris, die geht von einfacher und ziemlich primitiver Anmache bis hin zur Vergewaltigung.

 

Aufgabenstellung:

1.Gliedere zunächst einmal die Charakteristik und verschaffe dir damit einen Übergang über den Gedankengang!

2.Überprüfe den Inhalt: Inwieweit fehlen Punkte? Was kann man sonst noch verbessern?

 

Gegliederte Fassung mit Aufgaben

 

Feigheit des Soldaten und dessen Selbstbild

Der Soldat Peider ist feige. Diese Feigheit steht im Gegensatz zu seinem eigenem Selbstbild. Peider behauptet nämlich von sich selbst, dass er äußerst mutig sei. Wie es aber wirklich damit aussieht, zeigt sich besonders im 6. Bild: „Andri schnarcht. Der Soldat erschrickt und zögert.“ ( Seite 49) Man sieht an diesem Zitat, dass der Soldat selbst vor dem schlafenden Andri noch Angst hat, was ihn aber nicht daran hindert, ihn mehrmals im Drama als „Hosenscheißer“ zu bezeichnen. Man hat als Leser bzw. Zuschauer den Eindruck, Peider projiziert seine eigenen negativen Eigenschaften auf Andri.

Peiders Abneigung gegenüber Andri

Der Soldat empfindet Andri gegenüber eine tiefe Abneigung, ja man kann sogar von tiefem Hass reden. Diesen Hass weist der Soldat auch noch in der Vordergrundszene auf - als einziger Andorraner . „Ich hab ihn nicht leiden können von Anfang an.“ (Seite 55)

Erste Begegnung im Text

Der Soldat versucht immer wieder Andri zu provozieren, ihn herauszufordern. Man sieht dies gleich schon im ersten Bild, als Andri sich mit dem Soldaten über Barblin unterhält. Der Soldat zieht ziemlich pervers über seine Vorhaben gegenüber Barblin her. „ und auf den Bock und ab den Rock“ ( Seite 20). Dazu kommt schon von Anfang ein Hang auch zu Gewalttätigkeit, so schlägt er etwa Andri das von ihm verdiente Geld aus der Hand und stellt ihm ein Bein, so dass Andri zu Boden stürzt. Aber dieser Szene geht noch die erste Begegnung mit dem Soldaten voran, in der Peider sich ziemlich primitiv an Barblin heranmacht. Er schaut ihr immer auf die Beine und sagt ihr, dass er bisher immer alle Mädchen bekommen habe. „Wo hast du deine Kammer?“ (Seite 11).  Direkter und dümmer können Annäherungsversuche wohl kaum noch sein.

Entwicklung dieser Abneigung

Peiders Abneigung gegenüber Andri nimmt im Laufe des Handlungsverlaufes immer brutalere Formen an. Im achten Bild wird Andri sogar von dem Soldaten niedergeschlagen und anschließend mit Fußtritten schwer verletzt.

Vergewaltigung Barblins

Im sechsten Bild vergewaltigt der Soldat Barblin, dadurch ist Andri der letzte Halt genommen und, obwohl der Soldat es besser weiß, wertet er Barblin bei der Judenschau als Judenhure ab und verleugnet sie, indem er vorgibt, nie etwas mit ihr gehabt zu haben. Dabei hat er doch Andri zuvor in Barblins Kammer festgenommen, die nur er, Andri und Barblin kennen. Woher weiß er von dieser Kammer, wenn er sich nicht schon vorher um sie gekümmert hat?

Verhalten beim Einmarsch der Schwarzen

Seine gegensätzlichen Behauptungen werden auch noch anderswo deutlich. Peider behauptet immer bis zum Einmarsch der Schwarzen in Andorra, „dass er kämpfen wolle bis zum letzen Mann“. Doch er ist schließlich der erste, der sich auf die Seite der Schwarzen gestellt hat. So hilft er den Schwarzen bei der Durchführung der Judenschau und bewirkt wohl sogar, dass Andri unter äußerster Gewaltanwendung der Ring abgenommen wird.

Der Soldat spricht auch kaum von sich selbst, sondern vielmehr von der „Armee“, die hinter ihm steht und in deren Auftrag er handelt. Daran kann man feststellen, dass Peider nur seine Befehle ausführt ohne ein wenig nachzudenken. Er plappert einfach irgendwelche Parolen nach, zum Beispiel: Order ist Order.

Der Soldat als Typ

Insgesamt kann man sagen, dass der Soldat ein feiger, prahlerischer und brutaler Befehlsempfänger ist, der nicht selbst denkt und nur seinen Befehlen entsprechend handelt. Daneben kommt noch sexuelle Aggression gegenüber der Freundin Andris, die geht von einfacher und ziemlich primitiver Anmache bis hin zur Vergewaltigung.

Kritische Anmerkungen zu dieser Lösung

1.Die Einleitung ist recht gut gelungen, weil ein zentraler Punkt direkt aufgegriffen und geklärt wird. Man hätte natürlich auch eher linear an die Sache herangehen können, d.h. Auftritt für Auftritt des Soldaten abklopfen können, aber das kann eben auch zu Wiederholungen und einer ungünstigen Reihenfolge führen.

2.Im weiteren Verlauf könnte man aber die Darstellung noch überzeugender aufbauen, vor allem nach Überleitungen suchen: So könnte man etwa die anfangs festgestellte Feigheit mit seiner Aggressivität vergleichen und nach Lösungen für diesen Widerspruch suchen – die sicher in die Richtung gehen, dass er dort aggressiv wird, wo er sich mächtig genug fühlt, sei es durch körperliche Überlegenheit oder dadurch, dass er höhere Mächte wie die Armee oder die Schwarzen an seiner Seite weiß.

3.Recht gut gelungen ist auch die Zusammenfassung, weil sie noch einmal auf zwei Punkte abhebt, die von Anfang an eine Art roten Faden der Darstellung gebildet haben.

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