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10 Tipps zu einem Gedicht: Andreas Gryphius „Es ist alles eitel“

Diese Seite soll da weiterhelfen, wo man selbst am Ende ist: Es geht nicht um eine komplette Interpretation, sondern die wichtigsten Punkte zu einem Gedicht, die man möglichst herauskriegen sollte – mit oder auch ohne Hilfe.

 

Damit ist diese Darstellungsmethode in besonderer Weise geeignet, das Selbstlernen zu fördern: Und was man einmal gelernt hat zu sehen, wird man auch auf andere Gedichte anwenden können

Der Text des Gedichts

Andreas Gryphius

 

Es ist alles eitel

 

I        Du siehst, wohin du siehst, nur Eitelkeit auf Erden,

         Was dieser heute baut, reißt jener morgen ein;

         Wo itzund Städte stehn, wird eine Wiesen sein,

         Auf der ein Schäferskind wird spielen mit den Herden.

        

II       Was itzund prächtig blüht, soll bald zutreten werden.

         Was itzt so pocht und trotzt, ist morgen Asch und Bein;

         Nichts ist, das ewig sei, kein Erz, kein Marmorstein.

         Itzt lacht das Glück uns an, bald donnern die Beschwerden.

        

III     Der hohen Taten Ruhm muss wie ein Traum vergehn.

         Soll denn das Spiel der Zeit, der leichte Mensch, bestehn?

         Ach, was ist alles dies, was wir vor köstlich achten,

        

IV     Als schlechte Nichtigkeit, als Schatten, Staub und Wind,

         Als eine Wiesenblum, die man nicht wiederfind't!

         Noch will, was ewig ist, kein einig Mensch betrachten!

Erste Tipps – in Frageform

1.        Was fällt ganz allgemein an der Form des Gedichts auf? (Strophen)

2.        Wie ist die Abfolge von betonten und unbetonten Silben? (Begriff dafür?)

3.        Was fällt in der Mitte einer jeden Zeile auf?

4.        Welchen Akzent setzt der Sprecher in der ersten Strophe? („eitel“ nachschlagen!)

5.        Wie ist das Verhältnis der zweiten Strophe zur Aussage der ersten? (Leichte Veränderung)

6.        Die Zeilen III,1-IV,2 enthalten wieder eine neue Variante der Gesamtaussage? Worin besteht sie?

7.        Was ist das Neue an der letzten Zeile, die eine besonders wichtige Schlussstellung im Gedicht hat? („einig“ = einziger)

8.        Wie könnte man die Gesamtaussage des Gedichts formulieren? Berücksichtige dabei auch den Titel!

9.        Welche künstlerischen Mittel benutzt der Dichter, um die Aussage zu verdeutlichen? (Hier spielen Bilder eine besondere Rolle, aber auch die Entwicklung der Gedanken.)

10.      Andreas Gryphius war ein Dichter der Barockzeit, die vor allem vom schrecklichen 30-jährigen Krieg geprägt war. Welche Bedeutung könnte das Gedicht heute noch haben? (Hier kann es keine allgemeingültige Antwort geben!)

Die Antworten dazu

1.        Was fällt ganz allgemein an der Form des Gedichts auf? (Strophen)

  • Das Gedicht besteht aus zwei Vierzeilern (Quartetten) und zwei Dreizeilern (Terzetten), so etwas nennt man ein Sonett.
  • Zu einem Sonett gehört meistens auch eine besondere Verteilung der Reime, hier wiederholt sich der umarmende Reim der ersten Strophe identisch in der 2. Strophe. Die beiden Terzette haben jeweils einen eigenen Anfangspaarreim, dann folgt eine Zeile, die sich in beiden Strophen wiederholt.

2.        Wie ist die Abfolge von betonten und unbetonten Silben? (Begriff dafür?)

  • Zuerst kommt immer eine unbetonte, dann eine betonte Silbe, das nennt man Jambus. Weil insgesamt 6 betonte Silben (Hebungen) in jeder Zeile vorkommen, spricht man auch von einem sechshebigen Jambus.

3.        Was fällt in der Mitte einer jeden Zeile auf?

  • Dort gibt es meistens einen mehr oder weniger deutlichen Einschnitt (z.B. nach „siehst“, „baut“, „stehn“ und „Schäferskind“ – das nennt man eine Zäsur. Solche Verszeilen heißen Alexandriner und waren im Barock (ca. 17. Jhdt, also zwischen 1600 und 1700) üblich.

4.        Welchen Akzent setzt der Sprecher in der ersten Strophe? („eitel“ nachschlagen!)

  • Alles, was zu sehen ist, ist eigentlich nichts wert (das heißt „eitel“). Wenn etwas aufgebaut wird, dann trägt es den Keim des Verfalls schon in sich. Nichts bleibt ewig.

5.        Wie ist das Verhältnis der zweiten Strophe zur Aussage der ersten? (Leichte Veränderung)

  • Die Aussage der ersten Strophe wird noch einmal aufgenommen, aber mehr auf die Pracht sowohl von Dingen als auch von Menschen bezogen.
  • Besonders betont wird, dass auch das, was besonders dauerhaft aussieht, dies nicht wirklich ist.
  • Die letzte Zeile spricht den Leser besonders an, machen ihn auf seine Hinfälligkeit aufmerksam. (Itzt = Jetzt).

6.        Die Zeilen III,1-IV,2 enthalten wieder eine neue Variante der Gesamtaussage? Worin besteht sie?

  • Hier gibt es eine deutliche Verallgemeinerung: Schon vorher war vom Menschen die Rede, jetzt geht es nur noch um ihn. Er ist etwas Leichtes, Vergängliches, eigentlich ein Nichts.

7.        Was ist das Neue an der letzten Zeile, die eine besonders wichtige Schlussstellung im Gedicht hat? („einig“ = einziger)

  • Hier wird angedeutet, dass es offensichtlich doch auch Ewiges gibt, das könnte z.B. die Religion sein (das wird in anderen Gedichten von Gryphius deutlich), aber die Menschen kümmern sich nicht darum, was deutlich Kritik ausdrückt!)

8.        Wie könnte man die Gesamtaussage des Gedichts formulieren? Berücksichtige dabei auch den Titel!

  • Es geht zunächst darum, dass es nichts Dauerhaftes in der Welt gibt.
  • Das wird aber vor allem auf die bezogen, die sich bemühen, etwas Dauerhaftes zu errichten oder etwas Prächtiges darzustellen.
  • Der Mensch wird als etwas Nichtiges angesehen.
  • Vor allem wird kritisiert, dass er sich nicht um ewige Dinge kümmert, die es offensichtlich gibt – Näheres wird dazu aber nicht gesagt.

9.        Welche künstlerischen Mittel benutzt der Dichter, um die Aussage zu verdeutlichen? (Hier spielen Bilder eine besondere Rolle, aber auch die Entwicklung der Gedanken.)

  • Eine Rolle spielt die direkte Hereinnahme des Lesers („Du“, „Wir“)
  • Es sind vor allem auch Bilder, die in diesem Gedicht verwendet werden: An die Stelle der Bauten der Menschenwelt wird wieder eine paradiesische Urwelt treten.
  • Der Mensch wird als „Spiel der Zeit“ gesehen, eine sehr ausdrucksstarke Metapher.
  • Dann wird er mit „Schatten, Staub und Wind“ verglichen, also wenig kostbaren Alltagsdingen, auch mit einer „Wiesenblum“, was dann zum Paradiesbild des Anfangs passt.
  • Ein wichtiger Punkt ist die Gedankenentwicklung: Es beginnt mit dem Schaffen der Menschen, dann geht es um den Menschen selbst, schließlich am Ende um die Kritik an seiner Grundeinstellung, an seiner Gewichtung.

10.      Andreas Gryphius war ein Dichter der Barockzeit, die vor allem vom schrecklichen 30-jährigen Krieg geprägt war. Welche Bedeutung könnte das Gedicht heute noch haben? (Hier kann es keine allgemeingültige Antwort geben!)

  • Heute wird es wohl zumindest in Deutschland nur wenige geben, die die Gedanken von Gryphius direkt nachempfinden können – zumindest kennen wir heute keinen Krieg oder durch ihn hervorgerufene Zerstörung und Elend.
  • Es gibt aber sicher Situationen im menschlichen Leben, wo man das Gefühl hat, dass nichts Wertvolles bestehen bleibt, dass zumindest das, was wir in der Alltagswelt für wichtig halten, nicht mehr wichtig ist, wenn man zum Beispiel älter wird oder Abschied nehmen muss.
  • Der Schlusshinweis kann also gerade auch in der heutigen Zeit, wo es nur noch um „Fun“ zu gehen scheint, von Bedeutung sein – aber das muss jeder selbst entscheiden.
  • Insgesamt drückt das Gedicht ein ganz bestimmtes Lebensgefühl aus, das stark von Resignation und Melancholie geprägt ist, aber doch glaubt, dass hinter den „Nichtigkeiten“ etwas Wertvolleres ist, dem man sich nur zuwenden muss. Das kann wie früher die Religion sein, es können aber auch menschliche Beziehungen sein, die letztlich wichtiger sind als etwa Karriere und Reichtum – um einmal ganz einfache Gegensätze zu nehmen.

 

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