Wenn die Wolken weg sind, lichtet sich der Blick
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Heinrich Heine, "Mein Herz, mein Herz ist traurig" - ein Gedicht zwischen den Epochen

Dieses Video präsentiert ein Gedicht von Heinrich Heine, an dem man zeigen kann, wie der Dichter sich von der Romantik löst und deren manchmal auch idyllische Seite infragestellt.

Begleitmaterial zum Video
VidBegBlatt Heine Mein Herz ist traurigB[...]
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Genaure Erläuterungen des Textes

 

Heinrich Heine

Mein Herz, mein Herz ist traurig

 

Mein Herz, mein Herz ist traurig,

Doch lustig leuchtet der Mai;

Ich stehe, gelehnt an der Linde,

Hoch auf der alten Bastei.

 

"Herz" ist ein zentraler Begriff der Zeit, die Goethe noch erlebt hat. Heine spielt hier schon ein bisschen mit diesem Begriff, weil er "traurig" mit "lustig" verbindet. Überhaupt wollte er ja, dass man sich langsam nach dem Tod Goethes von diesem "Dichterfürsten" entfernt und neue Wege geht.

"Linde" und "Bastei" sind als Elemente der Natur und der Geschichte typisch für ein Gedicht der Romantik.

 

Dort drunten fließt der blaue

Stadtgraben in stiller Ruh;

Ein Knabe fährt im Kahme,

Und angelt und pfeift dazu.

 

Auch die 2. Strophe bietet viel Romantik: Den Blick auf den Stadtgraben und ein Knabe, der angelt und pfeift, also ganz natürliche Dinge tut.

 

Jenseits erheben sich freundlich,

in winziger, bunter Gestalt,

Lusthäuser, und Gärten, und Menschen,

Und Ochsen, und Wiesen, und Wald.

 

Auch hier geht es in ähnlicher Weise weiter, allerdings passen die "Ochsen" nicht so recht in ein idyllisches Bild

 

Die Mägde bleichen Wäsche,

Und springen im Gras herum:

Das Mühlrad stäubt Diamanten,

Ich höre sein fernes Gesumm.

 

Natürlich dürfen auch einfache Menschen nicht fehlen, die friedlich ihrer Arbeit nachgehen.

Ein romantischer Höhepunkt des Gedichts ist die Schilderung des Wassers am Mühlrad.

 

Am alten grauen Turme

Ein Schilderhäuschen steht;

Ein rotgeröckter Bursche

Dort auf und nieder geht.

 

Auch hier wieder ein Hinweis auf die Geschichte und ihre Überreste. Dann kommt das Gedicht zum Schlussakkord, indem es erst mal einen Soldaten vorstellt, der dort "Schildwache" hält. Immer noch ein sehr idyllisches Bild.

 

Er spielt mit seiner Flinte,

Die funkelt im Sonnenrot,

Er präsentiert und schultert –

Ich wollt, er schösse mich tot.

 

Die Idylle wird sogar noch fortgesetzt, weil dieser Soldaten offensichtlich nicht viel Gefahr sieht und auch nicht verbreitet.

Dann kommt allerdings der Hammer. Während der Soldat vielleicht wieder ein bisschen ernster seinen militärischen Pflichten nachgeht, zeigt das Lyrische Ich plötzlich ein starkes Gefühl der Lebensunlust, will sogar am liebsten totgeschossen werden.

Das muss natürlich nicht ernst gemeint sein, ist vielleicht auch nur eine Augenblicks-Eingebung.

Aber es stört doch sehr die Idylle.

 

Allerdings passt es natürlich zur ersten Zeile, in der ja auch schon von Traurigkeit die Rede ist.

 

Insgesamt hat man den Eindruck, dass nicht nur die ersten beiden Zeilen einen Gegensatz markieren, sondern das ganze romantische Bild mehr Kulisse ist als empfundene Wirklichkeit.

 

Man kann hier sehen, dass Heine sich von der Romantik seiner frühen Schaffensjahre wegbewegt hin zu einer eher kritisch-distanzierten und auch ironischen Haltung.

 

Dazu passt übrigens auch der ziemlich kaputte Rhythmus. Es finden sich immer wieder alternierende Verszeilen, bei denen jeweils eine betonte und eine unbetonte Silbe wechseln.

 

Alternierend ist zum Beispiel:

Mein Herz, mein Herz ist traurig,

 

Aber es gibt eben auch viele Stellen, wo zwei unbetonte Silben aufeinanderfolgen.

 

Doch lustig leuchtet der Mai;

Ich stehe, gelehnt an der Linde,

 

xXxXxxX

xXxxXxxX

 

Eine besonders schlimme Stelle ist die mit dem Stadtgraben, denn die natürliche Betonung beginnt mit einer Hebung, wenn man aber den Jambus des Anfangs aufnimmt, dann müsste die zweite Silbe betont werden.

 

Fazit:

Bei diesem Gedicht passt weder der idyllische Inhalt zur wirklichen Gefühlslage des Lyrischen Ich noch der Rhythmus.

 

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