Wenn die Wolken weg sind, lichtet sich der Blick
Wenn die Wolken weg sind, lichtet sich der Blick

Paula Ludwig, Ich wachte

Wenn man den Expressionismus in einen engeren Bezug zur Gegenwart heute bringen möchte, lohnt es sich, auf ein Gedicht von Paula Ludwig (1900-1974) zu schauen.

 

Es hat den Titel "Ich wachte" und beschreibt die widerstreitenden Gefühle eines liebenden Menschen.

 

Am Ende bleibt trotz allen Schmerzens nur die Möglichkeit, sich drauf einzulassen.

 

Da das Gedicht noch urheberrechtlich geschützt ist, können wir es hier nur kurz vorstellen und verweisen ansonsten auf die leicht zugängliche Veröffentlichung in:

 

Lyrik des Expressionismus. Mit Materialien, ausgewählt von Wilhelm Große (=Editionen für den Literaturunterricht, Hrsg. von Thomas Kopfermann), Ernst Klett Verlag: Stuttgart/Leipzig, 2016, S. 69

 

Vorstellung des Gedichtes:

  1. Der Titel "Ich wachte" ist doppeldeutig, im weiteren Verlauf wird doppeldeutig, dass das im Umfeld der Liebe eher negativ zu verstehen ist, auf einer unerfüllten Spannung zu beruhen scheint.
  2. Als Grund werden auch bald "Stürme" angegeben, die ihr Leben prägen.
  3. Dann ist sogar von einer "Fackel" die Rede, die in "lebendiges Fleisch" hineingeworfen worden ist - ein sehr beeindruckendes Bild für das, was die Entzündung einer Liebesbeziehung mit sich bringt.
  4. Eine weitere Wirkung ist eine Art Lähmung bzw. "Ohnmacht" - auch das dürfte jeder kennen, der sich verliebt hat.
  5. Anschließend geht es um die Gefühle, die eine Berührung des/der Geliebten auslöst. Es führt zu "erschrecken" und Schmerz.
  6. Am Ende wird aber deutlich, dass das lyrische Ich begriffen hat, dass es die "Gluten" der ganzen Erde in sich hineinlassen muss, um bei einer solchen Berührung nicht zu sterben.
  7. Die normale Vorstellung ist wohl eher, dass man sich einer Sache entziehen muss, die Schmerz auslöst. Hier wird das Paradoxon der Liebe präsentiert, dass genau das Gegenteil (also die Hingabe) Weiterleben überhaupt möglich macht.
  8. So ziemlich alles kann man aus diesem Gedicht aus der Spätphase des Expressionismus (1919) auf heute übertragen:
    1. Die Unruhe des Wachens angesichts der Aufregungen der Liebe
    2. Der Feuercharakter der Liebe, das damit verbundene Brennen
    3. Aber auch die Starre bis hin zur Ohnmacht angesichts der Überwältigung durch Gefühle
    4. Dann die widerstreitenden Gefühle, wenn man sich näherkommt, die normalen Schutzzonen um sich herum abbaut
    5. Schließlich die Bereitschaft, all den damit verbundenen Schmerz auf sich zu nehmen, weil die Alternative viel schlimmer wäre, nämlich der Tod der (schönen) Gefühle.

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