Wenn die Wolken weg sind, lichtet sich der Blick
Wenn die Wolken weg sind, lichtet sich der Blick

Stadler, Vorfrühling - Eichendorff, Frische Fahrt

Irgendwann ist man es sicher leid, immer nur Elend und Untergang präsentiert zu bekommen,

wenn man expressionistische Gedichte liest. Da bietet sich Stadlers Gedicht "Vorfrühling" zur Erholung an. Aber Vorsicht, es gibt kein Glück ohne Wagnnis und vielleicht auch Schicksal.

 

Das verbindet dieses Gedicht übrigens sehr schön mit Eichendorffs "Frische Fahrt" aus der Zeit der Romantik.

 

Kurzvorstellung des Gedichts:
Das Gedicht präsentiert vor allem die Aufbruchstimmung, die mit dem „Vorfrühling“ verbunden ist. Nur wenig deutet auf die normale, „verstörte“ (03) Welt hin. Im Mittelpunkt steht, dass das Lyrische Ich „aufgewühlt“ (02) ist, einen „starken Wirbel“ (06) im Blut spürt und sein „Schicksal“ (11) warten sieht. In ihm ist ein „Stürmen“ (12) „wie von aufgerollten Fahnen“ (12), also Gemeinschaftszeichen, die auf große Dinge hindeuten.
Während die gelben Markierungen noch Stellen zeigen, die die Situation noch unentschieden, unfertig erscheinen lassen, spricht das grün Markierte eine eindeutig positive Sprache.
Es geht „weit hinaus“ (04), dem „Herzen schwoll ein neuer Takt entgegen“ (04), ein „junges Werden“ ist „ausgespannt“ (05) und man sieht die „Bläue hoher Morgenstunden“ (08), die „ins Weite führen sollten“ (08, vgl. 03).
Man spürt „junge Ausfahrtwinde“ (10) und sieht „helle Bahnen“ (10) mit „Licht“ (11).
Allenfalls das „ich trieb“ hätte man noch gelb markieren können, weil hier zwar lauter positive Rahmenbedingungen für einen Aufbruch, einen Neubeginn vorhanden sind, aber das Lyrische Ich lauscht nur, lässt sich erst mal nur treiben.

Klausurbedeutung: @@@@@
(Die Anzahl der @-Zeichen macht unsere Einschätzung der Klausurbedeutung sichtbar – wie die Sternchen bei Hotel-Bewertungen!)
Sehr hoch, weil dieses Gedicht eine ungewöhnlich positive Aufbruchstimmung zeigt. Allerdings ist auch wichtig zu erkennen, dass hier erst mal nur der Rahmen positiv ist – er bleibt aber auch noch sehr allgemein und das Lyrische Ich lässt sich nur treiben.
Übrigens lässt sich das Gedicht sehr gut mit Eichendorffs „Frische Fahrt“ aus der Zeit der Romantik vergleichen.

Anregungen:
1. Wer kennt solche Gefühle – in welchen Situation? Wichtig ist, dass es sich nicht um eine klare Vorfreude im Hinblick auf ein besonderes Ereignis handelt. Die Erwartung muss vielmehr unbestimmt sein.
2- Wieso sind „Werden“ und „Weite“ so besonders reizvoll?
3. Wie ist die Stelle „ich trieb“ zu verstehen? Eher positiv oder eher negativ?
4. Was lässt sich hier mit „Schicksal“ verbinden? Ist damit nicht auch möglicherweise ein unkalkulierbares Risiko verbunden? Kann, darf man sich auch darauf freuen? Welche möglichen Situationen sind denkbar (vgl. Nr.1).
5. Welche Gemeinsamkeiten gibt es zwischen diesem Gedicht und Eichendorffs „Frische Fahrt“? Gibt es auch Unterschiede?

Noch ein "verwandtes" Gedicht: Diesmal von Goethe

 

Das folgende Gedicht passt auch gut zu dieser Aufbruchstimmung, die bereit ist, Abschied zu nehmen und auch ein Risiko auf sich zu nehmen:

 

Johann Wolfang von Goethe

Seefahrt

01: Lange Tag' und Nächte stand mein Schiff befrachtet;
02: Günstger Winde harrend, saß mit treuen Freunden,
03: Mir Geduld und guten Mut erzechend,
04: Ich im Hafen.

05: Und sie waren doppelt ungeduldig:
06: Gerne gönnen wir die schnellste Reise,
07: Gern die hohe Fahrt dir; Güterfülle
08: Wartet drüben in den Welten deiner,
09: Wird Rückkehrendem in unsern Armen
10: Lieb und Preis dir.

11: Und am frühen Morgen wards Getümmel,
12: Und dem Schlaf entjauchzt uns der Matrose,
13: Alles wimmelt, alles lebet, webet,
14: Mit dem ersten Segenshauch zu schiffen.

15: Und die Segel blühen in dem Hauche,
16: Und die Sonne lockt mit Feuerliebe;
17: Ziehn die Segel, ziehn die hohen Wolken,
18: Jauchzen an dem Ufer alle Freunde
19: Hoffnungslieder nach, im Freudetaumel
20: Reisefreuden wähnend, wie des Einschiffmorgens,
21: Wie der ersten hohen Sternennächte.

22: Aber gottgesandte Wechselwinde treiben
23: Seitwärts ihn der vorgesteckten Fahrt ab,
24: Und er scheint sich ihnen hinzugeben,
25: Strebet leise sie zu überlisten,
26: Treu dem Zweck auch auf dem schiefen Wege.

27: Aber aus der dumpfen grauen Ferne
28: Kündet leise-wandelnd sich der Sturm an,
29: Drückt die Vögel nieder aufs Gewässer,
30: Drückt der Menschen schwellend Herz darnieder;
31: Und er kommt. Vor seinem starren Wüten
32: Streckt der Schiffer klug die Segel nieder,
33: Mit dem angsterfüllten Balle spielen
34: Wind und Wellen.

35: Und an jenem Ufer drüben stehen
36: Freund' und Lieben, beben auf dem Festen:
37 Ach, warum ist er nicht hier geblieben!
38: Ach, der Sturm! Verschlagen weg vom Glücke!
39: Soll der Gute so zugrunde gehen?
40: Ach, er sollte, ach, er könnte! Götter!

41  Doch er stehet männlich an dem Steuer:
42: Mit dem Schiffe spielen Wind und Wellen,
43: Wind und Wellen nicht mit seinem Herzen.
44: Herrschend blickt er auf die grimme Tiefe
45: Und vertrauet, scheiternd oder landend,
46: Seinen Göttern.


 

 

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