Wenn die Wolken weg sind, lichtet sich der Blick
Wenn die Wolken weg sind, lichtet sich der Blick

Schnell durchblicken bei: Paul Zech, Fabrikstraße Tags

Auf dieser Seite stellen wir das expressionistische Gedicht "Fabrikstraße Tags" von Paul Zech vor.

 

Es macht deutlich, wie sehr die Industrialisierung alles Leben aufgesaugt, ja verschlungen hat.

 

Der Mensch ist voll in ihrem Griff, erscheint zwangsangepasst.

 

Letztlich wird alles vom Diktat der Endlosigkeit bestimmt.

 

Weiter unten gibt es eine ausführliche Interpretation - auch als herunterladbare PDF-Version.

 

 

Das Gedicht präsentiert vor allem die Trostlosigkeit einer Straße mit lauter aneinandergereihten Fabrikgebäuden. Wir haben hier die Farbe grau verwendet.

 

Die Härte der Umgebung hat auch auf die Menschen abgefärbt.

 

Positive Elemente gibt es nicht (Bahnspur als Zeichen von Leben, Verkehr) oder aber bei den anderen Menschen blitzt nur kurz das auf, was Menschen verbindet. Dann setzt sich die Fabrikatmosphäre wieder durch. Nur am Ende könnte es etwas heller werden, wenn die Menschen sich unterscheiden, “eigenartig” sind.

 

Aber am Ende steht eine Art göttliche Weltordnung - nach der Vertreibung der Menschen aus dem Paradies - es ist die ständige Schicht, die von keiner Pause unterbrochen oder auch durch eine Uhr beendet wird.

 

“Feuer” haben wir hervorgehoben, weil es neben der Trostlosigkeit zumindest kurz andeutet, dass hier auch etwas geschieht, was aber vielleicht bedrohlich ist.

 

Gelb haben wir die einzige Stelle markiert, die etwas Schwierigkeiten beim Verstehen macht.

Vorstellung und Erklärung der einzelnen Schritte einer Gedichtinterpretation

 

Am Beispiel von Paul Zech, Fabrikstraße Tags

 

Bei der folgenden Interpretation wird das sogenannte „induktive“ Verfahren verwendet, was für die Schule besonders günstig ist. Es wird nämlich das Verständnis nach und nach, Zeile für Zeile aufgebaut. Entscheidend sind dabei die Signale, die das Lyrische Ich von sich gibt. Im Normalfall lassen sie sich zu Aussagen des Gedichtes bündeln, was dann nur noch auf die Unterstützung durch künstlerische Mittel hin überprüft werden muss.

 

Insgesamt gehen wir sehr ausführlich vor – damit möglichst alle Stellen – auch die schwierigen - geklärt werden. In der Praxis einer Klausur muss und kann man sich auf soviel beschränken, wie die Aufgabe fordert und die zur Verfügung stehende Zeit zulässt.

Weiter unten gibt es eine PDF-Version der folgenden Tabelle.

 

Paul Zech

Fabrikstraße Tags

01: Nichts als Mauern. Ohne Gras und Glas
02: zieht die Straße den gescheckten Gurt
03: der Fassaden. Keine Bahnspur surrt.
04: Immer glänzt das Pflaster wassernass.

05: Streift ein Mensch dich, trifft sein Blick
      dich kalt
06: bis ins Mark; die harten Schritte haun
07: Feuer aus dem turmhoch steilen Zaun,
08: noch sein kurzer Atem wolkt geballt.

09: Keine Zuchthauszelle klemmt
10: so in Eis das Denken wie dies Gehn
11: zwischen Mauern, die nur sich besehn.

12: Trägst Du Purpur oder Büßerhemd -:
13: immer drückt mit riesigem Gewicht
14: Gottes Bannfluch: uhrenlose Schicht.
 

[Einleitung]

 (mit Hilfe eines Formulars)

Bei dem Gedicht mit dem Titel „Fabrikstraße Tags“ handelt es sich um einen Text des Dichters Paul Zech, der 1911 entstanden ist und damit zunächst einmal rein von der Zeit her zum Expressionismus gehören könnte.

Thema des Gedichtes ist ___________________
________________________________________

 

Anmerkungen:

Diese Einleitung entspricht einem allgemeinen Formular, das man auf fast alle Texte anwenden kann. Man nennt die Textsorte, den Titel und den Verfasser, geht auf den oder die Entstehungszeit kurz ein und nennt anschließend noch das Thema. Wie wir noch sehen werden, kann es sehr hilfreich sein, die genaue Formulierung des Themas bis zum Schluss offen zu lassen – weil das nämlich das komplette Verständnis des Textes voraussetzt.

Da wir „induktiv“ vorgehen, also Verszeile für Verszeile ein immer besseres Verständnis aufbauen, sind wir erst am Ziel, wenn wir auch die letzte Zeile genau analysiert haben.

Hinweise zur Strophenform:

Strophen sind Versgruppen in einem Gedicht mit einem gemeinsamen Aufbau – am besten denkt man dran, dass man sie singen können muss – und da können Strophen ja auch nicht unterschiedlich sein.

 

Hinweise zum Reimschema:

Reim = Gleichklang von Wörtern ab der letzten betonten Silbe.

Normalerweise geht es um Endreim – es gibt grundsätzlich auch durchaus Reime an anderer Stelle.

Am häufigsten kommen der Paarreim, der Kreuzreim und der umarmende Reim vor.

 

Hinweise zum Versmaß:

„Maß“ heißt hier im Deutschen „Betonung“: Es geht also um die Frage, wie sich betonte und unbetonte Silben abwechseln.

Das wichtigste Phänomen ist das sogenannten „Alternieren“, damit ist der regelmäßige Wechsel zwischen betonten Silben (Hebungen) und unbetonten (Senkungen) gemeint. Ist die Hebung vorne, spricht man von Trochäus, ansonsten von Jambus.

Folgen auf eine betonte Silbe zwei unbetonte, nennt man das Daktylus. Bei zwei unbetonten Silben vor einer betonten spricht man von einem Anapäst.

Daneben gibt es auch freie Rhythmen.

 

Hinweise zu den Versschlüssen

Gemeint ist damit, ob eine Verszeile mit einer betonten Silbe endet („männlich“) oder mit einer unbetonten („weiblich“). Die Zuordnung kommt aus der französischen Grammatik der Adjektive.

[Vorstellung der äußeren Form des Gedichts:]

Das Gedicht besteht aus vier Strophen, zwei Quartetten und zwei Terzetten und ist damit ein Sonett.

Das Reimschema ist ein umarmender Reim in den Quartetten (abba, cddc). Bei den Terzetten reimen sich jeweils die Anfangszeilen der beiden Strophen, darauf folgt jeweils ein eigener Paarreim (eff, egg).

Beim Versmaß liegt ein fünfhebiger Trochäus vor, die Versschlüsse durchgängig männlich.
 

Insgesamt handelt es sich um eine sehr regelmäßige Form,  was aber bei aller inhaltlicher Experimentierlust im Expressionismus nicht ungewöhnlich ist.


Anmerkungen:
Die Erläuterung des Strophenaufbaus, des Reimschemas und des Versmaßes ist unbedingt nötig. Das hat sich einfach als Standard eingebürgert, auch wenn die Details häufig für die Analyse und Interpretation des Gedichts hinterher nicht oder nur wenig genutzt werden.

Häufig gehört auch ein Hinweis auf die sogenannten „Versschlüsse“ (männlich oder weiblich) auch dazu.

Die Schlussbemerkung zur Frage der Regelmäßigkeit der Form ist nicht notwendig, zeigt aber, dass man sich auskennt.

Fabrikstraße Tags

 

Anmerkung: Um hier den Platz zu nutzen, packen wir die Erläuterungen jetzt mal hierhin:

 

Auf jeden Fall ist es wichtig, den Titel eines Gedichtes ernstzunehmen, Denn es ist das erste inhaltliche Signal, das den Leser erreicht.

Eine spannende Frage ist, wer hier eigentlich spricht. Es ist wohl naheliegend, dass das genau so der Autor ist, wie man das bei einem Roman oder Drama kennt.

 

[Auswertung des Titels für ein erstes Verständnis]

Die Überschrift präsentiert eine etwas seltsame Kombination. Man denkt als Leser an den Teil einer Fabrikanlage, der die Teile außen verbindet und letztlich auch die Verbindung zur Außenwelt herstellt. Weniger wahrscheinlich ist eine Straße, die nur so heißt, weil sie an einer Fabrik vorbeiführt. Das zweite Wort der Überschrift macht deutlich, dass es sich um die Hälfte des Tages handelt, in der normalerweise das Leben und die Arbeit stattfindet, während die Nacht der Erholung und dem Schlaf zugeordnet ist. Fassen wir also den ersten Erwartungshorizont zusammen: Man stellt sich darauf ein, eine Fabrikstraße präsentiert zu bekommen, wie sie sich am Tag zeigt, wenn die meisten Menschen hellwach ihr Leben führen.
Natürlich liegt in der zeitlichen Beschränkung auch eine Einschränkung der Aussage – nachts kann die Straße ganz anders aussehen.

01: Nichts als Mauern. Ohne Gras und Glas
02: zieht die Straße den gescheckten Gurt
03: der Fassaden. Keine Bahnspur surrt.
04: Immer glänzt das Pflaster wassernass.
 

Erläuterung des Gedichtanfangs (Raum)
Steigen wir dann in das Gedicht ein,  merkt man, dass das mit der Fabrikstraße schon gleich deutlicher wird. Es geht nämlich um eine Fabrikstraße, in der man „Nichts als Mauern“ (1)  sieht. Damit ist klar, es muss sich um eine Straße innerhalb der Fabrik handeln. Dazu macht die Formulierung den Eindruck, dass das Lyrische Ich das als eher unangenehm, als eine Mangelsituation wahrnimmt.

01: Nichts als Mauern. Ohne Gras und Glas
02: zieht die Straße den gescheckten Gurt
03: der Fassaden. Keine Bahnspur surrt.
04: Immer glänzt das Pflaster wassernass.
 

Anmerkung: An dieser Stelle könnte man deutlich machen, wie sehr Assoziationen eine Rolle spielen, wichtig ist nur, dass sie dem Verständnis des Textes dienen und nicht von ihm wegführen

Erläuterung des 2. Satzes
Der folgende Satz, der über einen Zeilensprung in die nächste Verszeile weitergeht, verstärkt den Eindruck des Defizits noch. Zugleich wird konkretisiert:  Was nämlich fehlt, ist „Gras und Glas“ (1). Damit ist wohl das fehlende Grün in dieser Fabrikwelt gemeint, zum anderen der mögliche Blick nach draußen oder überhaupt auch in Räume hinein, in denen dann vielleicht Menschen zu sehen sind.

 

Der Rest des Satzes macht deutlich, dass es sich hier um eine Zwangssituation handelt. Gurte sind immer etwas, was etwas anderes einschnürt. Und mit „gescheckt“ ist wahrscheinlich gemeint, dass diese Fassaden zwar dicht sind, in sich aber durchaus nicht einfarbig. Das dürfte damit zusammenhängen, dass der Putz von den Wänden gefallen ist.

01: Nichts als Mauern. Ohne Gras und Glas
02: zieht die Straße den gescheckten Gurt
03: der Fassaden. Keine Bahnspur surrt.
04: Immer glänzt das Pflaster wassernass.
 

Anmerkung: Dies ist hier ein gutes Beispiel, wie man bei der Klärung einer Textstelle vorgehen kann: Zum einen bezieht man nachvollziehbare Alltagserfahrungen ein, zum anderen stellt man Beziehungen zu anderen Textstellen her.

Erläuterung des 3. Satzes
Beim nächsten Satz „Keine Bahnspur surrt“ stellt man fest, dass zum dritten Mal auf ein Defizit hingewiesen wird nach „nichts“, „ohne“, „keine“. Also muss man überlegen, was mit der Bahnspur Positives verbunden sein könnte, Das könnte der Weg nach draußen sein, raus aus dieser engen Fabrikwelt. Und in dieser Umgebung vermisst man möglicherweise auch ein solches Geräusch wie das Surren. Vielleicht steht das auch erstmals für Leben, interessant ist auch, dass überhaupt keine Rede ist von Vögel und anderen Lebewesen.

01: Nichts als Mauern. Ohne Gras und Glas
02: zieht die Straße den gescheckten Gurt
03: der Fassaden. Keine Bahnspur surrt.
04: Immer glänzt das Pflaster wassernass.
 

Anmerkung: Das ist natürlich zu einem großen Teil Spekulation, Entscheidend ist hier, dass man sieht, dass die beiden letzten Sätze in eine ähnlich negative Richtung gehen.

Erläuterung des 4. Satzes
Etwas schwierig wird es dann mit der nächsten Zeile: „Immer glänzt das Pflaster wassernass“. Alles sprich zunächst einmal dafür, dass es auch negativ gemeint ist. Möglicherweise steht es dafür, dass der ganze Staub, der zu der Fabrikstraße gehört, feucht gehalten werden muss, damit der nicht durch die Gebäude weht. Das ist natürlich zu einem großen Teil spekulation, Entscheidend ist hier, dass man sieht, dass die beiden letzten sätze in eine ähnliche negative Richtung gehen.

Anmerkung: Wichtig ist, sich diese Erweiterung des eigenen Verständnisses immer wieder bewusst zu machen. Dabei kann es durchaus sein, dass frühere Annahmen korrigiert werden müssen. In diesem Falle ist es aber nur so, dass das Verständnis präziser wird, weil der Text mehr gesagt hat.

Zusammenfassung der zweiten Verständnisebene: Der Leser weiß jetzt, dass das lyrische Ich diese Fabrikstraße am Tag negativ empfindet. Er weiß auch, in welche Richtung das geht, nämlich typisch expressionistisch in die Richtung Enge, Naturferne, eingegurrtet zu sein, ohne eine Außenperspektive, in einer unangenehmen künstlichen, unlebendigen Atmosphäre.

 

05: Streift ein Mensch dich, trifft sein Blick
      dich kalt
06: bis ins Mark; die harten Schritte haun
07: Feuer aus dem turmhoch steilen Zaun,
08: noch sein kurzer Atem wolkt geballt.
 

Anmerkung: Man sieht hier, wie wichtig es ist, auf alle Signale einzugehen, die zusammenpassen: „Streift“, „trifft“, „kalt“, „bis ins Mark“.

Situation 2: Begegnung mit annderen Menschen
In der 2. Strophe kommt dann erstmals Leben ins Spiel – und gleich sogar in der Form eines anderen Menschen. Aber das bleibt negativ: Zum einen kommt es nur zu einer Begegnung, wenn man gestreift wird. Es handelt sich also um eine unbeabsichtigte Berührung. Die führt dann auch noch zu einer negativen Reaktion, der Blick ist „kalt“ (5) und man wird regelrecht getroffen – und das auch noch „bis ins Mark“ (6), d.h. bis dorthin, wo die eigene Lebenssubstanz ist.

05: Streift ein Mensch dich, trifft sein Blick
      dich kalt
06: bis ins Mark; die harten Schritte haun
07: Feuer aus dem turmhoch steilen Zaun,
08: noch sein kurzer Atem wolkt geballt.
 

In den Zeilen 6 und 7 wird die empfundene Wirkung dieser Begegnung noch weiter beschrieben: Die Wörter „harten“ und „haun“ (6) passen zu den vorher beschriebenen Signalen.
Was das Feuer angeht, so steht es wohl für eine Verstärkung des Negativen der Umgebung in Richtung Gefährlichkeit. Dabei wird der Gedanke der Mauern aus der ersten Strophe in anderer Form wieder aufgenommen („Zaun“).

Die Schlusszeile macht deutlich, dass der ganze Mensch eingespannt ist in dieses Fabriksystem („geballt“).

09: Keine Zuchthauszelle klemmt

10: so in Eis das Denken wie dies Gehn

11: zwischen Mauern, die nur sich besehn.

 



 

(Auswertung der Situationsbeschreibung)
In dieser Strophe geht das lyrische ich zu einer Art Auswertung seiner Beobachtungen und Erfahrungen über. Die Fabrik Welt erscheint schlimmer als eine „Zuchthauszelle“, was den Gedanken mit dem Gurt aufnimmt und steigert. Als besonders problematisch werden die Folgen für das Denken der Menschen angesehen. Zusammenhang wird das Motiv des Gurtes direkt aufgenommen („klemmt“). Hinzukommt die Wiederaufnahme des Motivs Kälte („in Eis“, vgl Den kalten Blick andere Menschen). Die Mauer noch einmal aufgenommen, bei Ihnen wird besonders negativ hervorgehoben die Selbstbezüglichkeit, d.h. die nicht Möglichkeit von Kommunikation und Austausch.

12: Trägst Du Purpur oder Büßerhemd -:

13: immer drückt mit riesigem Gewicht

14: Gottes Bannfluch: uhrenlose Schicht.

 

 

(Schluss: Direkte Ansprache und transzendentaler Rahmen)
Den Schluss wird der Leser direkt angesprochen mit der ganzen Breite möglicher Rollensituationen. Da ich so deutlich werden, dass es aus dieser Situation keinen kommen gibt durch Vermögen, Macht oder Status.

Die letzten beiden Zeilen ist die Situation der Menschen noch einmal in einem Bild zusammen, das zum einen auf eine Situation großer Bedrückung hinausläuft, zum anderen auf einen gleichartigen existenziellen Rahmen. Gott erscheint hier nicht wohl nicht als Hilfe oder Ausweg, sondern sogar als Ursache. Das Ganze sieht nach einem Verhängnis aus, was die Frage Schuld mit einschließt. Das wird aber nicht näher ausgeführt, dass die Situation nur verschlimmert. Die beiden letzten Wörter greifen dann noch einmal auf den Titel und das zentrale Thema des Gedichts zurück erfassen Sie in das markante Bild einer Arbeitssituation, die endlos erscheint.

Anmerkung: Man

Es geht hier nicht um das, was der Autor sagen wollte. Entscheidend ist, was er das Gedicht sagen lässt. Dabei geht es darum, dioe Signale zu Aussagen zu bündeln. Am besten setzt man einfach den Satz fort: „Das Gedicht zeigt...“ und bringt dabei möglichst mehrere Punkte – oder die Ausdifferenzierung eines zentralen Punktes.

(Klärung der Aussage/Intention des Gedichtes)

Das Gedicht zeigt:
die Enge, das Eingeschnürtsein in die Fabrikwelt

Eine gewisse Leblosigkeit und Naturferne

Die Auswirkung der Fabrikatmosphäre bis in den menschlichen Bereich hinein

Die Folgen des Fabriklebens für das Denken und das Selbstbewusstsein der Menschen

Die Ausweglosigkeit, weder Macht noch Buße sind Auswege

Transzendentaler Rahmen – Betonung der Ewigkeit als zeitliche Ausweglosigkeit

Anmerkung:

Künstlerische Mittel sind Abweichungen vom normalen Sprachgebrauch. Wichtig für die Analyse sind sie, wenn sie die Intention des Gedichtes unterstützen – deshalb ist es sehr sinnvoll, sie damit zu verbinden. Natürlich kann man auch ganz allgemein auf Besonderheiten aufmerksam machen. Dabei sollte aber keine Liste präsentiert werden – ohne Bezug zum Inhalt.

Unterstützung der Intention durch künstlerische Mittel

In der erstenStrophe fällt vor allem die Aufzählung von Defiziten auf. Interessant ist dabei, welche unterschiedlichen Möglichkeiten dabei genutzt werden: „Nichts als“, „Ohne“, „Keine“, „Immer“.

Verstärkt wird das noch durch das Bild des „gescheckten Gurts“. Eine Rolle spielt sicher auch die Alliteration von „Gras und Glas“, das Gegenteil von Defiziten bekommt hier also einen besonderen sprachlichen Touch.

In der zweiten Strophe fällt der Gegensatz zwischen der leichten körperlichen Berührung („Streift“) und der massiven Konsequenz („bis ins Mark“) auf. Sehr wirkungsvoll ist auch die Verbindung von Enge mit Gefahr („Feuer“) – bezeichnenderweise erzeugt von einem Mitmenschen. Am Ende wieder ein Gegensatz von „kurzem Atem“ und „wolkt geballt“ – ein Neologismus, der hier den Eindruck des Angriffs verstärkt.

 

Die dritte Strophe ist dann geprägt vom Vergleich mit einer Zuchthauszelle und einer Kombination von Enge und Kälte sowie einer abschließenden Personifizierung der Mauern.

 

Eine Besonderheit der letzten Strophe ist die direkte Anrede, verbunden mit der sozialen Spannweite von „Purpur“ und „Büßerhemd“. Diese Wendung ins Religiöse wird dann aufgenommen in dem Bild von „Gottes Bannfluch“, wobei wieder die Verwünschung verbunden wird mit dem Bannen, einer erneuten Einengung. Den Schlussakzent setzt dann die provozierende Verbindung von „Schicht“ und ihrem Gegenteil „uhrenlos“. Auf einem Kennzeichen industrieller Arbeit (nämlich der nach der Uhr) wird die Ausweitung ins Unendliche, eine abschließende maximalen Ausdehnung der Bedrohungssituation.

 

Ausführliche Interpretation des Gedichts in Tabellenform - d.h. mit parallelen Erklärungen der Vorgehensweise
Mat335 Paul Zech Fabrikstraße Tags Demo.[...]
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